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Zahnspange häufig nicht notwendig – teilweise schädlich

Rund die Hälfte aller Jugendlichen in Deutschland trägt eine Zahnspange. Dass nicht immer eine medizinische Notwendigkeit besteht, scheint vielen Eltern, Zahnärzten und Kieferorthopäden egal zu sein, denn schöne Zähne stehen schließlich für Gesundheit und unterstützen so mancher Studie zufolge auch den privaten und beruflichen Erfolg. Wissenschaftliche Belege aus Langzeitstudien für eine medizinische Wirksamkeit von Zahnspangen fehlen bisher jedoch komplett. Eine positive Auswirkung auf das optische Erscheinungsbild bleibt allerdings unstrittig.

Hohe Kosten für Gesundheitssystem trotz fehlender Studien

Pro Jahr geben die deutschen Krankenkassen über eine Milliarde Euro für kieferorthopädische Behandlungen aus. Hinzu kommen die Kosten, die von den Eltern getragen werden müssen – die Krankenkasse zahlt schließlich nur bei “medizinischer Notwendigkeit” 100 Prozent der Kosten. Dazu, wie groß der medizinische Nutzen von Zahnspangen ist, gibt es bislang jedoch keine nachhaltigen Daten, monierte kürzlich der Bundesrechnungshof.

Eine Studie, die beispielsweise nach 30 Jahren den Vergleich zwischen zwei Gruppen von Studienteilnehmern zieht, von denen nur eine früher mit einer Zahnspange behandelt wurde, liegt weder den Krankenkassen, noch dem Gesundheitsministerium vor.

Auch Risiken & Nebenwirkungen von Zahnspangen nicht ausgeschlossen

Auch, wenn Zahnspangen in den buntesten Farben fast zum Lifestyle-Produkt für Jugendliche geworden sind, muss man sich bewusst sein, dass es sich bei der Behandlung um einen ernsten kieferorthopädischen Eingriff handelt, der auch Nebenwirkungen haben kann.

Bei fest angebrachten Brackets ist zum Beispiel die besondere Mithilfe des Patienten gefragt was die Zahnhygiene betrifft. Denn unmittelbar neben den Brackets lagern sich Speisereste besonders gerne an. In Kombination mit einem gehemmten Speichelfluss, ist die Gefahr für Karies und Zahnfleischentzündungen bei einer Zahnspange erhöht. Unmittelbar nach dem Einsetzen oder Nachstellen einer Zahnspange kann es außerdem zu Ziehen, Druckgefühl oder anderen Schmerzen im Kiefer kommen.

Eine Zahnwurzel-Verkürzung (Wurzelresorption), die zu Zahnlockerungen bis hin zum Zahnverlust führen kann, ist zum Glück eine sehr seltene Nebenwirkung von Zahnspangen.

Da es keine Langzeitstudien zur medizinischen Wirksamkeit von Zahnspangen gibt, kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass Zahnspangen weit mehr Schaden anrichten als gemeinhin angenommen.

Verunsicherung bei Jugendlichen & Erwachsenen

Neben all der Verunsicherung durch fehlende Studien zur medizinischen Wirksamkeit von Zahnspangen, betonen Zahnmediziner in zahlreichen Interviews, dass die ganz unmittelbaren Erfahrungen mit Zahnspangen bei ihren Patienten positiv sind. Vor allem bei schweren Zahnfehlstellungen, die zu Spätfolgen und damit weiteren notwendigen Zahnbehandlungen führen können, wird eine Behandlung empfohlen und auch von den Krankenkassen erstattet.

In allen anderen Fällen, in denen mit der Zahnspange nur kleine Schönheitskorrekturen vorgenommen werden sollen, sollte eine sorgfältige Abwägung der Kosten, potentiellen Nebenwirkungen und dem tatsächlichen Nutzen erfolgen.

Quellen & Verweise

https://www.deutschlandfunk.de/kieferorthopaedie-gesundheitsoekonom-langfrist-nutzen-von.676.de.html?dram:article_id=437889

https://www.jameda.de/gesundheit/zaehne-mund/risiken-und-nebenwirkungen-von-zahnspangen/

https://kurier.at/wissen/medizin-mythen-sind-zahnspangen-gefaehrlich/185.641.593

https://www.netdoktor.de/therapien/zahnspange/#welche-risiken-birgt-eine-zahnspange

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