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Sonne aus der Röhre: Solarium wirklich so schädlich wie behauptet?

Gesundheit

Sonne aus der Röhre: Solarium wirklich so schädlich wie behauptet?

Während man in den 80er Jahren des vergangenen Jahrtausends noch schief angeschaut wurde, wenn man nicht zu jeder Jahreszeit aussah als käme man frisch aus dem Urlaub, ist gebräunte Haut im Herbst und Winter mittlerweile eher verdächtig. “Gehst Du aufs Solarium? Du bist so braun. Aber Du weißt schon, dass das ungesund ist, man vom Münzmallorca Falten und Hautkrebs bekommt?”, tönt es gerne aus Richtung gesundheitsbewusster Menschen. Aber sind solche Behauptungen wirklich uneingeschränkt korrekt? Schauen wir uns doch mal die Fakten an.

Vitamin D Bildung im Solarium: möglich oder nicht?

Vitamin D ist wichtig für den Knochenaufbau und an zahlreichen weiteren Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt. So schreibt beispielsweise die Gesellschaft der Anthroposophischen Ärzte in Deutschland in einem Merkblatt [1]: 

Vitamin-D-Mangel erhöht nachweislich das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und führt zu Knochenwachstumsstörungen im Kleinkindalter. Bekannt ist auch, dass Ungeborene, deren Mütter an Vitamin-D-Mangel leiden, als Kinder häufiger bestimmte Autoimmunkrankheiten, wie die Zuckerkrankheit, entwickeln können.

Damit unser Körper die Produktion des Hormons ankurbelt, benötigen wir UV-B Strahlen in verhältnismäßig hoher Intensität, die je nach natürlicher Pigmentierung der Haut variiert. Rund 80 bis 90 Prozent Vitamin D werden durch den Einfluss des UV-B-Lichts (290 bis 315 nm Wellenlänge) auf die Haut gebildet. Eine Deckung des Tagesbedarfs über die Ernährung ist in der Regel nicht möglich. Aufgrund des flachen Sonnenstands im Herbst und Winter können wir in der dunklen Jahreszeit auf natürliche Weise allerdings nicht ausreichend Vitamin D bilden. Die hautwirksame Strahlung ist einfach zu gering [2]. 

Im Solarium sieht das anders aus: Hier scheint die künstliche Sonne das ganze Jahr in gewohnter Stärke. Die Intensität der UV-B Strahlen ist dabei von den verwendeten Röhren abhängig. Wer sich alle zwei Wochen für ein paar Minuten besonnen lässt, füllt leere Vitamin-D-Speicher im Winter wieder auf [7].

Der Körper kann große Mengen Vitamin D speichern. Wer im Sommer viel in der Sonne war, hat für den Winter möglicherweise ausreichend Reserven gebildet. Allerdings erhöht sich der Vitamin-D-Bedarf in verschiedenen Lebenssituationen. Den Vitamin-D-Spiegel kann man durch eine Blutuntersuchung (kostet etwa 20 Euro) beim Hausarzt bestimmen lassen.

UV-B Anteil moderner Röhren mit Sonnenstrahlen vergleichbar

Solarien setzen vornehmlich auf Röhren mit einem hohen UV-A-Anteil. UV-A Strahlen sind langwelliger und energieärmer als UV-B Strahlen. Wissenschaftlern bewerten sie nach wie vor als etwas weniger hautschädigend. Gut sind sie trotzdem nicht: Da sie tief in die Haut eindringen, sind UV-A Strahlen maßgeblich an der Hautalterung / Faltenbildung beteiligt.

UV-B Strahlen dringen hingegen weniger tief in die Haut ein, können aufgrund ihrer Energiedichte jedoch mehr Schaden auf der Oberhaut anrichten. Hierdurch führen UV-B Strahlen auch zu einer intensiveren Bräunung der Haut als UV-Selbstschutz. Ebenso wird Vitamin D lediglich durch UV-B-Exposition in ausreichendem Maße gebildet. 

UV-B ist also Fluch und Segen zugleich. In normalen Höhenlagen liegt der Anteil der UV-B Strahlen des Sonnenlichts bei etwa 5 Prozent. Im Hochgebirge sind bis zu 20 Prozent möglich. Deshalb kriegt man im Skiurlaub oder beim Bergwandern trotz Sonnenschutz auch schneller einen Sonnenbrand als im Tal. In Solarien liegt der UV-B-Anteil je nach Röhre zwischen 0,8 und 3,5 Prozent.

Ausgewogenes UV-A- / UV-B-Verhältnis entscheidend

Durch eine gezielte Steuerung der UV-A- und UV-B-Anteile können Solarien so “konfiguriert” werden, dass eine Vitamin D Bildung möglich ist und die Haut gleichmäßig bräunt, ohne Verbrennungen zu erleiden. Weil der Anteil der UV-B Strahlen im Solarium in jedem Fall geringer ist als der natürliche UV-B Anteil der Sonnenstrahlen, wird das Hautkrebsrisiko im Einzelfall sogar minimiert. Das gilt vor allem für helle Hauttypen und nicht vorgebräunte Personen ohne hauteigenen UV-Schutz. Neben der braunen Haut schützt außerdem das durch die UV-B-Exposition gebildete Vitamin D vor Malignomen [3].

Um lichtbedingter Hautalterung vorzubeugen und von den positiven Effekten zu profitieren, sollte man WENN auf Solarien mit hohem UV-B-Anteil setzen, die dem natürlichen Sonnenlicht ähnlicher sind.

Durch die exakte Dosierung der Strahlen und Besonnungsdauer benötigt man auf dem Solarium außerdem keine Sonnencreme. Inhaltsstoffe wie Oxybenzon (Benzophenone-3), das in zahlreichen konventionellen Sonnenschutzmitteln enthalten ist, stehen im Verdacht, Hautkrebs zu begünstigen und hormonell wirksam zu sein [4].

Aufgrund der antikarzinogenen Eigenschaften von Vitamin D, der Tatsache, dass eine gebräunte Haut auf natürliche Weise vor UV-Strahlung schützt und der Möglichkeit, die UV-Exposition auf der Sonnenbank besser zu kontrollieren, muss die Theorie des in jedem Fall schädlichen Solariums bezweifelt werden. Eine zusammenfassende Auswertung von Studiendaten aus dem Jahr 2018 stellt sogar einen bis dato als erwiesen geltenden Zusammenhang zwischen Solariennutzung und dem erhöhten Risiko für schwarzen Hautkrebs in Frage [5].

Wichtig: Solarium bewusst nutzen

Dass Solarien möglicherweise nicht ganz so schlimm zu sein scheinen wie oftmals behauptet, heißt nicht, dass sie generell gesund sind. Wie so oft im Leben macht auch hier die Dosis das Gift. Wie am Strand oder im Freibad auch, sollte ein Sonnenbrand unbedingt vermieden werden. Die Besonnungsdauer muss zur Sicherheit in kleinen Schritten angepasst werden, bis die Haut sich durch ausreichend gebildetes Melanin und die sogenannte Lichtschwiele (eine durch UV-B Strahlung verursachte Verdickung der Hornhaut, die in der Lage ist, UV-Strahlen zu absorbieren – etwa LSF 5) selbst geschützt hat. 

Personen, die auch im Sommer in der Sonne nicht braun werden, sollten sicherheitshalber auf den Solariumbesuch verzichten. Die Möglichkeit der Pigmentierung ist in diesem Fall zu stark eingeschränkt – eine hohe UV-Exposition (sowohl UV-A als auch UV-B) ist unbedingt zu vermeiden.

Zusatzinfo: Hauptpigmentierung und Vitamin-D-Mangel

Je weniger stark die Haut von Natur aus pigmentiert ist, desto durchlässiger ist sie für UV-B Strahlen. Hellhäutige Menschen können also auch bei der im Norden vorherrschenden UV-Intensität leichter Vitamin D bilden als Menschen mit sehr dunkler Haut. Weil sich die Lebensmittelpunkte der Menschen heutzutage jedoch schneller ändern als ihr Körper, sind nur die wenigstens ideal an die tatsächlichen Bedingungen (Klima, UV-Strahlen) angepasst. Dunkelhäutige Menschen, deren Pigmentierung perfekt an enorme UV-Stärken angepasst ist, jedoch in nördlichen Breitengraden leben, leiden nachweislich häufiger an einem Vitamin-D-Mangel. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. erklärt [6] : 

Da dunkle Hautpigmentierung die Bildung von körpereigenem Vitamin D verringert, haben in Deutschland lebende dunkelhäutige Kinder ein erhöhtes Rachitisrisiko. Ihre Haut benötigt die 10- bis 50-fache Menge an UV-B-Strahlung, um die gleiche Menge an Calcitriol im Vergleich zu ihren hellhäutigen Altersgenossen bilden zu können.

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